Performance

Mo 17.12.18 - 20:00 Uhr

Studies on Postcolonialism: Can Asians Dance? The Lion and The Dragon | Persisches Haar

monsun.theater

Hamburger Premiere

Ticket

Die Serie von Kurzchoreografien durchleuchtet eine weiße Vorherrschaft in einem Genre, das für seine Internationalität gerühmt wird. Doch auch im zeitgenössischen Tanz sind post-ko...
Die Serie von Kurzchoreografien durchleuchtet eine weiße Vorherrschaft in einem Genre, das für seine Internationalität gerühmt wird. Doch auch im zeitgenössischen Tanz sind post-koloniale Strukturen vielschichtig und oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Warum ist von African Contemporary, aber nicht von European Contemporary Dance die Rede? Stillschweigend wird die westliche Auffassung zur Norm erklärt und zeigt: Auch der zeitgenössische Tanz wird von Dominanz und Privilegien gezeichnet, die einen weißen Erfahrungshintergrund ins Zentrum rücken. Christoph Winkler zeigt in drei Studien einen spielerischen Dialog zwischen traditionellen und zeitgenössischen Tanzkulturen vor dem Hintergrund eigener Identitäten und Reflexionen in Beziehung unterschiedlicher Kulturen verschiedener Länder.

Can Asians Dance?
or 7 Differences between Classical Chinese Dance and Ballet
– Solo von und mit Naishi Wang
ca. 40 Minuten
Dieses Stück bezieht sich im Titel auf eine Essaysammlung von Kishore Mahbubani, einem wichtigen Theoretiker der postkolonialen Bewegung. Darin beschäftigt er sich mit dem Wiedererstarken Asiens auf politischer und ökonomischer Ebene und was dies für den Westen bedeuten kann - sowohl als Chance als auch als Herausforderung. Der chinesische Tänzer Naishi Wang nimmt sich den Hintergrund der Frage an warum viele asiatische Staaten im Laufe der Geschichte hinter der Entwicklung in Europa zurückgeblieben sind und bezieht ihn auf seine eigene Entwicklung als Tänzer. Ausgebildet in Kung-Fu und chinesischer Folklore begann er seinen Stil in Richtung zeitgenössischer Tanz zu erweitern. Mittlerweile bewegt er sich frei in beiden Genres und arbeitet für viele internationale Tanzkompagnien. Seiner Beobachtung nach wird er entweder deswegen gebucht, weil er traditionell tanzen kann - quasi als Exot - oder als Tänzer der Stile fusioniert. Beides gleichzeitig ist niemals vorgesehen. In „Can Asians Dance“ versucht er deshalb noch einmal beide Tanzkulturen – das traditionell chinesische und das zeitgenössische - gegenüber zu stellen um in der Herausstellung formaler Unterschiede das Gemeinsame zu suchen.

Persisches Haar
– Solo von und mit Raha Nejad
ca. 20 Minuten
Raha Nejad gilt als eine der profiliertesten Urban Dance/Vogue Tänzerinnen in Berlin. Einen Namen hat sie sich u.a. mit der Art und Weise gemacht wie sie ihr Haar im Tanz einsetzt. Obwohl aufgewachsen in Deutschland ist sie durch ihr Elternhaus eng mit dem Heimatland ihrer Eltern, dem Iran, verbunden. Für sie selbst besteht deshalb kein Zweifel daran, dass ihr Haar und ihre Art damit zu tanzen das »Persische« an ihr ist. Ausgehend von dieser Behauptung untersucht sie in »Persisches Haar« ihre Haltung zum Iran. Einerseits besteht bei ihr der Wunsch mehr über sich selbst und ihre Wurzeln zu erfahren, andererseits ist sie sich über kulturellen Unterschiede und divergierende Frauenbilder in Deutschland und dem Iran durchaus bewusst. Dieser Problematik versucht sie im Stück tänzerisch Ausdruck zu verleihen.
»Interessanterweise sind es vor allem die beiden an den “Five Studies” beteiligten Frauen, deren Beiträge künstlerische Unabhängigkeit atmen. Eindrucksvoll ist das Solo der in der Berliner Urban Dance- und Voguing-Szene offenbar bestens beleumundeten Raha Nejad. In “Study 3: Persian Hair” überblendet sie zu Techno-Beats filigrane persisch-orientalische Hand- und
Schrittkombinationen mit kraftvoll-massiven Club Moves, lässt ihr Haar und die Handgelenke ebenso kreisen wie ihre Hüften. Frisch und ungewöhnlich wirkt “Persian Hair” im Kontext der
zeitgenössischen Tanzszene, sehr eigenständig und nicht zurechtgebogen aufdas Thema Postkolonialismus, obgleich es lesbar ist als ein selbstbewusstes Plädoyer für Hybridisierung. –«
Elena Philipp, tanzraumberlin.de

The Lion and The Dragon
– Duet von und mit Naishi Wang & Ahmed Soura
ca. 45 Minuten
Abseits der eurozentrierten Fixierung auf die Finanz- und Eurokrise entwickelt sich die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen China und Afrika mit großer Dynamik. Ein beispielhafter Ausdruck dessen ist das Forum on China- Africa Cooperation, kurz FOCAC genannt. Das letzte dieser Treffen fand 201 5 in Südafrika statt und der chinesische Präsident Xi Jinping kündigte dort an bis zu 30 Milliarden Dollar zu investieren oder als Kredite aufzulegen. Dieser Umstand führt dazu, dass China schon jetzt schon als neue Kolonialmacht kritisiert wird.
»The Lion & The Dragon« ist eine Begegnung der Tänzer Naishi Wang und Ahmed Soura – ein Aufeinandertreffen von zwei unterschiedlichen Mentalitäten mit dem Ziel beide zu hinterfragen.
Beide Tänzer haben am Anfang ihrer Ausbildung klassischen chinesischen bzw. afrikanischen Volkstanz studiert und von diesem Standpunkt aus mit zeitgenössischem Tanz beschäftigt. Ein wichtiger Unterschied zwischen den traditionellen Tanzauffassungen beider Kulturen liegt im Umgang mit Animismus. Während ein afrikanischer Tänzer bei der Darstellung eines Löwen oder eines Büffels immer versucht sich in die Seele des Tieres einzufühlen, stilisiert der chinesische Tanz das Abbild und die Bewegungen eines Tieres, beispielsweise den Adler oder den Drachenflug. Ausgehend von diesen Unterschieden, diskutieren die beiden Performer tänzerisch über die Problematik des Ausgleiches zwischen den ökonomischen Interessen Chinas und dem wachsenden Selbstbewusstseins des aufstrebenden, afrikanischen Kontinents.

Ein Projekt von Christoph Winkler und ehrliche arbeit - freies Kulturbüro in Koproduktion mit SOPHIENSÆLE und monsun.theater Hamburg. Gefördert aus Mitteln des Regierenden
Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten sowie durch das Nationale Performance Netz (NPN) Koproduktionsförderung Tanz aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags. Das Gastspiel wird gefördert durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg.

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  • Di 18.12.18 - 20:00 Uhr Ticket